Kunst auf Selikum

RÜCKBLICK

RÜDIGER SAFRANSKI las am Sonntag, den 19.01.2014, aus seinem neuen Buch „Goethe – Kunstwerk des Lebens“. Anschließend führte SEBASTIAN KLEINSCHMIDT ein Gespräch mit ihm.

Sebastian Kleinschmidt, Rüdiger Safranski & Lothar Pues

RÜDIGER SAFRANSKI nähert sich einem der letzten Universalgenies aus primären Quellen – Werken, Briefen, Tagebüchern, Gesprächen und Aufzeichnungen von Zeitgenossen. So wird Goethe ungewohnt lebendig: Ein junger Mann aus gutem Hause, dem Studentenleben zugetan und dauerverliebt, wird Beststellerautor, bekommt eine gutdotierte Stellung, dilettiert in Naturforschungen, flüchtet nach Italien, lebt in wilder Ehe – und bei alledem schreibt er seine epochemachenden Werke. Doch er wollte noch mehr: Das Leben selbst sollte zum Kunstwerk werden. „Goethe – Kunstwerk des Lebens“ macht uns zu Zeitgenossen dieses Menschen und schildert eindringlich, wie Goethe zu dem wurde, der er war.

RÜDIGER SAFRANSKI ist der große Porträtist der deutschen Geistesgeschichte. Seine Biografien sind immer anschaulich und elegant, ohne den intellektuellen Kern ihres Gegenstandes zu verkleinern. SEBASTIAN KLEINSCHMIDT war von 1991 bis Sommer 2013 Chefredakteur der von der Akademie der Künste, Berlin, herausgegebenen Zeitschrift „Sinn und Form“. Sinn und Form gilt heute als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Literaturzeitschriften.

Am 14.11.2013 trafen sich Gerd RUGE und seine Tochter Elisabeth zu einem Gespräch über die vor kurzem von Gerd RUGE veröffentlichten politischen Erinnerungen "Unterwegs" im Moltkeplatz.

Gerd Ruge

Elisabeth Ruge ist die Tochter von Fredeke Gräfin von der Schulenburg und dem Journalisten Gerd Ruge. Als Leiterin des Berlin Verlages und des Hanser Verlages in Berlin, hat Elisabeth Ruge sich einen Ruf als entschlossene Anwältin anspruchsvoller Literatur erworben.

Gerd und Elisabeth Ruge im Gespräch

Gerd Ruge gilt als Pionier der Auslandsreportage. Seine wichtigsten Stationen als Korrespondent waren die Sowjetunion, die USA und China. Er hat den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg die Welt vorurteilsfrei und unideologisch nahegebracht und erklärt - dafür hat ihn sein Publikum geschätzt. In seinem Buch berichtet er von den Begegnungen mit großen Politikern wie Robert Kennedy, Willy Brandt oder Michail Gorbatschow wie auch mit den einfachen Menschen vor Ort. So entsteht eine politische Autobiographie aus der Nahsicht, eine Erzählung, die den Leser ganz dicht an zentrale Ereignisse, Orte und Gestalten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts heranführt.

RÜCKBLICK

LÀSZLÒ FÖLDÈNYI las am 20. Oktober 2013 in der Kufsteiner Straße aus seinem Essay "Dostojewski liest Hegel in Sibirien und bricht in Tränen aus"

Im Anschluss an sein Studium der Hungarologie und Anglisitk war FÖLDÈNYI Zeitschriftenredakteur und Dramaturg. Es folgte eine Tätigkeit als Gastdozent und Gast des Künstlerprogramms DAAD. FÖLDÈNYI übernahm schließlich eine Stelle als Dozent am Institut für Vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität Budapest. Er zählt zu den bedeutendsten Intellektuellen Ungarns.

RÜCKBLICK

MAX DUDLER war am 13. Mai 2013 bei uns in Essen und hat einen Vortrag über Bibliotheken und den Neubau der Folkwang Bibliothek gehalten.

MAX DUDLER wurde in Al­ten­rhein in der Schweiz ge­bo­ren. Er stu­dier­te Ar­chi­tek­tur an der Stä­del­schu­le in Frank­furt a.M. bei Prof. Gün­ther Bock und an der Hoch­schu­le der Küns­te Ber­lin bei Prof. Lud­wig Leo. Zu­nächst ar­bei­te­te er im Büro von Os­wald Matt­hi­as Un­gers bevor er 1986 in Ge­mein­schaft mit Karl Dud­ler und Pete Well­ber­gen ein ei­ge­nes Büro grün­de­te. Seit 1992 lei­tet er sein ei­ge­nes Büro mit Nie­der­las­sun­gen in Ber­lin, Zü­rich und Frank­furt am Main. Nach ver­schie­de­nen Lehr­auf­trä­gen und Gast­pro­fes­su­ren u.a. in Ve­ne­dig, Man­tua, Dort­mund und Wien wurde Max Dud­ler 2004 als Pro­fes­sor der Klas­se Bau­kunst der Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf be­ru­fen.

RÜCKBLICK

Am 27.April 2013 wurde die Ausstellung von Timm Rautert im Salon Kufsteiner Strasse in Berlin eröffnet. Zusammen mit dem Verein der Freunde des Busch-Reisinger Museum an der Havard Universität, ist die Publikation „Germans in Uniform“ mit einem Text von Laura Muir erschienen.

RÜCKBLICK:

MEINHARD MIEGEL hat am 14.Januar.2013 in unserem Salon in Berlin über den „Drogencharakter des Wirtschaftswachstums und was das für eine Gesellschaft auf Dauer bedeutet“ mit HENNING RITTER debattiert.

MEINHARD MIEGEL hören Politiker, aber auch Manager und Unternehmer und viele Bürger aufmerksam zu. Studiert hat er Philosophie, Soziologie und Rechtswissenschaften. Seine Berufstätigkeit begann er als Syndikusanwalt und Assistent der zentralen Geschäftsführung der Firma Henkel & Cie. Danach leitete er die Hauptabteilung Politik in der Bundesgeschäftsstelle der CDU. Von 1977 bis 2008 war er wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn. Von 1992 bis 1998 lehrte er zugleich an der Universität Leipzig, wo er auch das Zentrum für internationale Wirtschaftsbeziehungen leitete. Seit 2007 ist Prof. Dr. Miegel Vorsitzender des Vorstands des Denkwerks Zukunft – Stiftung kulturelle Erneuerung.

RÜCKBLICK:

PETER RAUE und MICHAEL KRÜGER führten am 19.11.2012 eine Diskussion zum Thema Urheberrecht. Einleitung: HENNING RITTER

Peter Raue und Michael Krüger

Der Streit, der durch eine Attacke auf die Anwendung des Urheberrechts im Netz entbrannte, wird noch lange dauern. Die digitale Sphäre mit frei zugänglichen Texten, Bildern und Musikstücken ignoriert das herkömmliche Autorenrecht weitgehend. Es wird immer wieder gesagt, dass es in dieser Form im Netz kaum durchzusetzen sei. Zwei fundamental unterschiedliche Kulturtechniken treffen aufeinander: das Buch und die digitalen Medien. Sie ermöglichen in einem bisher nicht gekannten Umfang neue Arten der Nutzung und Verbreitung. Bei der Verteidigung des traditionellen Urheberrechts wird dabei oft übersehen, dass es ebenfalls das Resultat einer revolutionären Technik, des Buchdrucks und neuer Formen der Herstellung und Verbreitung gewesen ist. Sie führten zu der heutigen Auffassung von Autorschaft und des Urheberrechts. Die Frage wird sein, ob diese sich auf die digitale Welt übertragen lässt oder einer grundsätzlichen Neuformulierung bedarf.

MICHAEL KRÜGER, der Verleger, leitet seit 1986 den Carl Hanser Verlag in München und publizierte Gedichte, Romane und Essays, darunter Ins Reine (2010), Unter freiem Himmel (2007) und Die Turiner Komödie (2005). PETER RAUE ist Rechtsanwalt in Berlin. Von 1977 bis 2008 war er Vorsitzender des „Vereins der Freunde der Nationalgalerie“. Er ist einer der engagiertesten Kunstliebhaber und Kunstförderer Berlins. An der Freien Universität ist er Honorarprofessor für Urheberrecht

RÜCKBLICK:

PETER SLOTERDIJK las am 20. Oktober 2012 in unserem Salon in Berlin.

Im Gespräch mit : HENNING RITTER

Peter Sloterdijk im Gespräch mit Henning Ritter

Peter Sloterdijk, Philosoph, Kulturwissenschaftler und Buchautor wird momentan für seine Notizhefte 2008-2011 gefeiert. Das persönliche Buch „ZEILEN UND TAGE – NOTIZEN 2008-2011“ beinhaltet die auf linierten DIN A4 Heften über vier Jahre hinweg festgehaltenen Gedanken des Autors. Über vier Jahrzehnte notierte sich Peter Sloterdijk jeden Morgen, was ihm bevorstand oder was ihm tags zuvor aufgefallen war. In seinem Buch transkribierte er seine gesammelten Niederschriften aus den Jahres 2008 bis 2011. Sein Werk verknüpft auf einzigartige Weise intellektuelle Komödie und gesellschaftliche Tragödie. Henning Ritter wird ein Gespräch mit Peter Sloterdijk führen. Henning Ritter war von 1985 bis 2008 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Redakteur für Geisteswissenschaften. Seine 2010 veröffentlichten „Notizhefte“ hatten große Resonanz. Die im Lauf von zwanzig Jahren entstandenen Aufzeichnungen enthalten Aphorismen, Reflexionen und Kurzessays zur Geistesgeschichte.

Peter Sloterdijk im Gespräch mit Lothar Pues

Die Notizen von Peter Sloterdijk und die Notizhefte von Henning Ritter sind definitiv zwei von drei Werken, die wir auf eine einsame Insel mitnehmen würden.

RÜCKBLICK:

WERNER SPIES las am 15.September in unserem Salon in Berlin.

Werner Spies

Sein neustes Werk trägt den Namen "MEIN GLÜCK: ERINNERUNGEN", aus welchem das folgende Zitat stammt:" Ich klingelte, Groucho schlug an, Max Ernst öffnete und umarmte mich, als hääten wir un schon immer gekannt. Alles war plötzlich einfach, vin einer veriwrrenden EInfachheit." Nicht immer ist es so einfach gewesen. Aber Werner Spies fand, seit er Anfang der sechziger Jahre aus seiner schwäbischen Heimat nach Paris gegangen war, immer raschen Zugang zu den größten Schriftsteller und Malern seiner Zeit, zu Beckett, zu Picasso und zahllosen anderen. "Mein Glück" heißen die Erinnerungen an diese Epoche, die Werner Spies jetzt aufgeschrieben hat. Unerwartet wird sein umfangreiches Werk anregender und wegweisender Studien zur modernen Kunst bereichert durch eine Biographie, die Zeugnis gibt von der Bewunderung für deiner Künstlerfreunde. Sie führte ihn ins produktive Zentrum ihrer Arbeit, an der er als Kunstkritiker, Buchautor, Ausstellungsmacher und Museumsdirektor produktiven Anteil genommen hat. Nieman hat wie Werner Spies aus intimer Kenntnis über die Künstler und Kunstszene der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts berichtet. Jetzt bereichert er dieses Panorama durch eine faszinierende Erzählung über die Hauptperson der Epoche.

RÜCKBLICK:

LUC BONDY las am 11. August, aus veröffentlichen und unveröffentlichen Werken.

Luc Bondy im Gespräch mit Henning Ritter

Luc Bondy

Der Theaterregisseur Luc Bondy hat in einem Interview mit André Müller festgestellt: „Ich schreibe immer. Es muss kein Buch daraus werden. Ich schreibe so, wie man Klavier spielt. Es ist ein Bedürfnis. Manchmal notiere ich nur irgendwelche Beobachtungen. Oder ich bringe mein inneres Chaos in eine Form, meine Not. Ich habe eine Frau, und ich habe zwei Kinder, ich habe Freunde, ich bin im Kulturleben verankert, aber ich fühle mich trotzdem immer allein. Ich fühle mich fremd unter den Menschen. Man denkt immer, man käme, wenn man Familie hat, in ein Gleichgewicht, aber das stimmt nicht. Es ist wichtig. Es ist nicht nichts. Es ist ein Trost. Aber es erlöst nicht von der Einsamkeit. Ich wünsche mir Licht. Ich wünsche mir Leichtigkeit, und manchmal gelingt sie mir. Ich gehe auf der Straße und bin plötzlich froh, ohne zu wissen warum. Doch im nächsten Augenblick ist es schon wieder vorbei.“

RÜCKBLICK:

28.Juni 2012 - HENNING RITTER, ROUSSEAU - Werk oder Leben

Henning Ritter war zum 300 Geburtstag von Rousseau für eine Lesung unser Gast. Er las aus dem, von ihm herausgegebenen Buch „Jean-Jacques Rousseau, Ich sah eine andere Welt – Philosophische Briefe“.

Im Nachwort in dem nicht nur von Henning Ritter ausgewählten, sondern auch übersetzten und kommentierten Briefen schreibt Henning Ritter: Für eine gemeinsam mit Diderot geplante Zeitschrift entwirft Rousseau um 1749 ein Porträt, in dem man ihn selbst wiedererkennen darf. “Nichts ist mir so unähnlich wie ich selbst, so dass es sinnlos wäre, mich anders als durch meine Mannigfaltigkeit definieren zu wollen.“ Wie die hier skizzierte Gestalt wechselt auch Rousseau in rascher Folge die Rollen – vom herumstreunenden Vagabunden zum Lakaien, vom Musiker zum Botschaftssekretär, von der Verlorenheit an sein armseliges Schicksal zu momentanen Aufschwüngen in höhere Sphären. Erst die großen Visionen, die Rousseau mit Bedacht in die Reihe seiner Verwandlungen eingeführt hat, bewirken eine seelische Stabilisierung. So bricht mit der berühmten Vision von Vincennes ein neues Selbstbewußtsein hervor. Rousseau findet eine unendliche Aufgabe, „Ich sah eine andere Welt.“ – er sieht klar und deutlich, was sich nicht ausschöpfen lässt“.

Henning Ritter, einstig Redakteur bei der FAZ, von 1985 bis 2008 für das Ressort „Geisteswissenschaften“ verantwortlich, wurde zuletzt für seine Notizhefte gefeiert und mit dem Preis der Leipziger Buchmesse im Bereich Sachbuch/Essayistik geehrt. Die Notizhefte wären dass, was wir als eines der drei Bücher auf einsame Insel mitnehmen würden. Henning Ritter kann man als einen gelehrten Leser bezeichnen. Wer seine meisterhafte Essays kennt, seine Bücher gelesen hat, zum Beispiel Nahes und fernes Unglück. Versuch über das Mitleid (2004) oder seine Intellektuellenporträts Die Erobere. Denker des 20. Jahrhunderts (2008), der weiß, dass seine Schriften eine geistvolle Angelegenheit sind.

Henning Ritter

Die Universität Hamburg verlieh ihm im Jahr 2000 die Ehrendoktorwürde. 2005 erhielt er den Friedlieb-Ferdinand-Runge-Preis und den Ludwig-Börne-Preis.

RÜCKBLICK:

DIRK BOLL

Gemeinsam mit dem Sammler Willi Kemp, haben wir in Essen und in Neuss, seit 1999 das Projekt "Kunst im Wohnraum" betrieben. Das Konzept beinhaltete Lesungen, Konzerte und Ausstellungs- Projekte die wir sowohl in Essen, in unserem Haus am Moltkeplatz verwirklichen konnten, als auch auf Gut Selikum, Neuss, in den ehemaligen Ausstellungsräumen von Gerhard Hoehme. Zu den Lesungen hatten wir u.a. Luc Bondy, Wilhelm Genazino, Dieter Wellershoff, Paul Nizon, Durs Grünbein, Philipp Blom und last but not least Henning Ritter zu Gast. Im Zuge der Verlegung des Firmensitzes unserer Steuerberatungsgesellschaft nach Berlin, haben wir uns entschieden dieses kulturelle Engagement auch in unserer Privatwohnung, in der Kufsteiner Strasse im Bayrischen Viertel fortzusetzen. Bisher haben wir uns immer dagegen gesträubt unsere Aktivitäten mit dem Begriff des literarischen Salons zu verknüpfen. Mittlerweile sind wir aber der Meinung dass der Begriff des Salons unsere Bemühungen trefflich umreißt. Am 23. März, 2012 um 19 Uhr eröffneten wir festlich unseren Salon Kufsteiner Strasse mit einer Ausstellung der neuen Fotografien aus der Serie "Anfang" von Timm Rautert und einem Vortrag von Professor Dirk Boll. Prof. Dr. Dirk Boll Managing Director Continental Europe, Christie’s spricht über: !Das Konzept des “Entsammelns“ –! Sollen Museen Kunst verkaufen dürfen? Gewinnen konnten wir für das anschließende Gespräch Nicola Kuhn! Kulturredakteurin beim Tagesspiegel, Berlin.

RÜCKBLICK:

ALEXANDER BRENNER

Drs Jörn und Simone Thiemer und Familie Pues luden am 24 Februar 2012 um 19:30 Uhr ein, zu einem Vortrag des Architekten Alexander Brenner

Weiße Häuser - Weiße Villen / Architektur in Bredeney

Es dürfte derzeit kaum einen Architekten in Europa geben, der sich ähnlich konsequent und formbewusst mit dem Bautyp Villen auseinandersetzt, wie der Stuttgarter Architekt Alexander Brenner, der aktuell auch ein Bauprojekt in Bredeney betreibt. Alle Objekte zeichnen sich durch eine klare Formsprache und deren konsequente Fortführung im Innenraum aus. Die gestaltreiche Logik seiner Villen ist einzigartig. Er lässt die Außenformen in das Innere hineinwirken und überträgt sie auf die Einbauten in den Wohnräumen, Küchen und den Bädern. In den ganzheitlich entwickelten und bis in das letzte Detail durchgestalteten Häusern wird ein oft beschworenes, doch selten erreichtes Wunschbild der Moderne auf überraschend wirkliche Weise, Wirklichkeit.

RÜCKBLICK:

WILHELM GENAZINO

Genazino liest

am 14. Januar 2012, kam der in Frankfurt lebende Literat und Bücherpreisträger Wilhelm Genazino zu einer Lesung nach Essen. Hierzu luden wir herzlich ein. Er las aus seinem neuen Buch: “Wenn wir Tiere wären“

Das Leben verlangt uns viel ab: Tägliche Anwesenheit am Arbeitsplatz, dazu persönliches Engagement und ein freundliches Gesicht, die routinierte Benutzung von Verkehrsmitteln und der regelmäßige Besuch von Geschäften jeglicher Art. Und dann gibt es noch das Privatleben. Unausweichlich kommt der Moment, in dem ein Mann nicht mehr weiter weiß und sich wünscht, die täglichen Zumutungen einfach übersehen zu können. Wilhelm Genazino erzählt in seinem neuen Roman so böse wie komisch und ironisch von einem Mann, der den Alltag nur ertragen kann, in dem er das ordentliche Regelwerk durchbricht - ein Meisterwerk!

Wilhelm Genazino arbeitete nach seinem Studium der Germanistik, Philosophie und Soziologie als Journalist und Redakteur. Seine Romane zeichnen sich durch seine genaue ungekünstelte Sprache und eine subtile Wahrnehmung aus. Die Protagonisten seiner heutigen Romane, so formuliert es der Autor selbst, “wissen, wie schwierig es ist, unabhängig zu sein, dass heißt auch, unabhängig zu fühlen und zu denken, aber sie versuchen es trotzdem mit einigem Erfolg.“ Sie seien „Individualisten wider Willen“.

RÜCKBLICK:

HENNING RITTER

am 3. Dezember 2011 war HENNING RITTER zum zweiten Mal in diesem Jahr für eine Lesung bei uns zu Gast. Henning Ritter, der einstige Redakteur der FAZ, bei der er von 1985 bis 2008 das Ressort „Geisteswissenschaften“ verantwortete, wurde zuletzt für seine Notizhefte gefeiert. Diese waren das überraschende Ereignis des Bücherherbstes 2010 und wurden dieses Jahr mit dem Preis der Leipziger Buchmesse im Bereich Sachbuch/Essayistik geehrt. Im Januar 2011 hat Henning Ritter aus seinen brillanten Notaten bei uns am Moltkeplatz gelesen. Der 1943 geborene Sohn des Philosophen Joachim Ritter ist ein Autor, den man getrost auch als einen gelehrten Leser bezeichnen kann. Wer seine meisterhaften Essays kennt, wer seine Bücher gelesen hat, zum Beispiel Nahes und fernes Unglück. Versuch über das Mitleid (2004) oder seine Intellektuellenporträts Die Eroberer. Denker des 20. Jahrhunderts (2008), der weiß, dass seine Schriften eine geistvolle Angelegenheit sind. Die Universität Hamburg verlieh ihm im Jahr 2000 die Ehrendoktorwürde. 2005 erhielt er den Friedlieb-Ferdinand-Runge-Preis und den Ludwig- Börne-Preis. Diesmal wird er bei uns aus einem Konvolut kurzer Stücke mit dem Titel Augenblicke lesen. Wie er in einem Brief an uns schreibt, handelt es sich dabei um Erleuchtungserlebnisse und Augenblicke, die plötzlich alles in einem neuen, manchmal auch bizarren Licht erscheinen lassen. Einige Titel, die eine gewisse Ahnung von der Sache geben können: Nacht der Träume (Descartes), Da ging es mir blitzartig auf (Darwin), Eine unheimliche Begegnung (William James).

RÜCKBLICK:

HANNS GRÖSSEL

Am 6. Novembert 2011 durften wir Hanns Grössel bei uns begrüssen. Hans Grössel ist der deutsche Übersetzer des Literaturnobelpreisträgers Tomas Trantrömer, Dichter auch Schweden. Moderation: Norbert Wehr

Tranströmer hat eine diebstahlsichere Fähigkeit, unerwartete Räume zu schaffen - stille Explosionen aus Freude und Trauer, Nischen für Verwunderung und Zuversicht. (Aris Fioretos) Die Lyrik von Tomas Tranströmer, übersetzt in fünfzig Sprachen, hat weltweit großen Einfluß auf andere Dichter ausgeübt - besonders aber in Deutschland. Dieser Einfluß ist zwei großen Übersetzern zu verdanken: Nelly Sachs, selbst Literaturnobelpreisträgerin, die Tranströmer bereits 1965 mit ersten Übersetzungen vorstellte. Und Hanns Grössel, der das Werk seitdem übertragen hat. Hanns Grössel, geb. 1932 in Leipzig, 1939 Umzug nach Kopenhagen und dort aufgewachsen, lebt in Köln. Er ist Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung, übersetzt aus dem Dänischen, Schwedischen und Französischen und wurde mit den renommiertesten Übersetzerpreisen ausgezeichnet. Er hat u.a. die Gesamtwerke von Inger Christensen und Tomas Tranströmer übertragen.

RÜCKBLICK:

PHILIPP BLOM

Philipp Blom

Am 10. September 2011 um 19 Uhr durften wir zu einer Lesung von Philipp Blom aus dem Buch Böse Philosophen zu uns einzuladen. Philipp Blom, der in Wien und Oxford studiert hat, in London und Paris gearbeitet hat und in Wien lebt, ist Jahrgang 1970. In der Vergangenheit setzte er sich mit historischen Themen, der Ideengeschichte und der Geschichte von Mentalitäten auseinander. Viel beachtet war sein Buch Sammelwunder, Sammelwahn, das die Geschichte der Sammelkultur seit der Renaissance beschreibt.

Philipp Blom liest

Bei uns wird er aus seinem aktuellen Buch Böse Philosophen lesen, das in sämtlichen Feuilletons lobende Anerkennung gefunden hat. Hierin beschreibt er die Salons in Paris, die Literaten und Intellektuellen den Schutz eines wohlhabenden Privathauses boten und dessen Gastgeber, die sich ihre Gäste aussuchen konnten. Dazu bedeuteten die Salons ein hohes Maß an Diskretion, um frei und mehr oder minder aufrichtig mit anderen Gästen zu sprechen und die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen. Schon immer benötigten Ideen den Austausch, dass heißt die Diskussion. Zu der Zeit der Salons war es wie ein Selbstmord, offen seine Meinung zu äußern, an allen Orten wimmelte es von Polizeispitzeln. Ein Denken zu unterstützen, dass insbesondere die Religion hinter sich lässt, bedeutete nicht nur Mut, sondern auch die Orte an denen man sich austauschen konnte. So standen die Salons, die regelmäßig stattfanden, nicht nur als Orte für stimulierende Unterhaltungen, sondern auch für anregende Tischgespräche bei mächtigen Mahlzeiten von ausgezeichneten Köchen. Das überaus fesselnde Buch Böse Philosophen von Philipp Blom beschäftigt sich mit dem Salon des Barons d’Holbach, bei dem sich regelmäßig die besten Köpfe Europas trafen. Philipp Blom versteht es, in brillanter Erzähltechnik das Leben in der Zeit der Salons und die Lehre so zu beschreiben, dass sich ein Bild von der Welt der Intellektuellen in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts öffnet.

RÜCKBLICK:

HENNING RITTER, TIMM RAUTERT

Das neue Jahr haben wir am 12.01.2011 gleich mit einem Highlight begonnen:

Henning Ritter las aus seinen Notizheften und Timm Rautert zeigte aus seinem neuen Werkzyklus Text, die Arbeit: New York May 11 2006....

Henning Ritter, Notizhefte, Berlin Verlag, 2010 „Schon jetzt ein Klassiker der Gegenwart.“ DIE ZEIT

Henning Ritter, war von 1985 bis 2008 im Feuilleton der FAZ verantwortlich für „Geisteswissenschaften“. Zahlreiche Publikationen, u.a. als Herausgeber von Jean-Jacques Rousseaus Schriften und Montesquieus Meine Gedanken, zuletzt veröffentlichte er Nahes und fernes Unglück. Versuch über das Mitleid. (2004) und Die Eroberer, Denker des 20. Jahrhunderts (2008).

Timm Rautert war von 1993 - 2008 Professor für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst / Academy of Visual Arts, Leipzig. 2008 erhielt er als erster Fotograf den Lovis-Corinth-Preis für sein Lebenswerk. „... seine Bildreportagen sind Glanzlichter, die zum ästhetischen Kanon der Bundesrepublik gehören.“ FAZ

Lassen Sie sich überraschen von der Intelligenz und Wortmacht in Henning Ritters, NOTIZHEFTE und den neuen Arbeiten zum Thema Kunstmarkt von Timm Rauterts.

Das Kulturhauptstadt Jahr, Ruhr 2010 ist vorüber. Es ist uns eine Freude im Jahr 2011 fortzufahren und Sie zu unserer ersten Veranstaltung im neuen Jahr, am 12.01.2011 um 19:30 Uhr, sehr herzlich einzuladen.

RÜCKBLICK:

PAUL NIZON - Lesung am 20. Juni 2010

es war gar nicht so einfach einen Termin mit Paul Nizon für eine Lesung bei uns in Essen zu organisieren. Aber jetzt hat es geklappt, er kam am 20. Juni 2010 um 11:00h und hierzu luden wir ganz herzlich mit Timm Rautert ein. Paul Nizon ist der Sohn eines russischen Chemikers, seine Mutter stammte aus Bern. Nach der Reifeprüfung studierte er Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Germanistik an den Universitäten in Bern und München. 1957 wurde er mit einer Arbeit über Vincent van Gogh (Der frühe Zeichnungsstil. Untersuchung über die künstlerische Form und ihre Beziehung zur Psychologie und Weltanschauung des Künstlers) zum Dr. phil. promoviert. Anschliessend war er bis 1959 als wissenschaftlicher Assistent am Historischen Museum in Bern beschäftigt. 1960 hielt er sich als Stipendiat am Schweizer Institut in Rom auf. 1961 war er leitender Kunstkritiker der Neuen Zürcher Zeitung. Er gab den prestigeträchtigen Posten für ein unsicheres Leben in der Literatur auf. Der dazugehörige Entscheidungsprozess findet sich literarisch gespiegelt in Untertauchen. Protokoll einer Reise (1972). Seit 1962 ist Nizon, der seit 1977 in Paris lebt, als freier Schriftsteller tätig. Er hatte verschiedene Gastdozenturen inne, etwa 1984 an der Universität Frankfurt am Main und 1987 an der Washington University in St. Louis. Paul Nizon gehört seit 1971 dem Autorenverband Autorinnen und Autoren der Schweiz und seit 1980 dem Deutschschweizer P.E.N.-Zentrum an. Nizons Archiv befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.

RÜCKBLICK:

DR. DIRK BOLL kam am 16. März 2010 um 19:30 Uhr zu uns nach Essen. Er hat einen Vortrag über den Kunstmarkt gehalten. Gemeinsam mit Timm Rautert luden wir herzlich dazu ein.

Dr. Dirk Boll, 1970, Kunstmarktexperte mit langjährigen Auktionserfahrungen, hat in Göttingen und Freiburg Rechtswissenschaften studiert und promovierte nach einem Aufbaustudium Studium in „Art Management“ Seine Dissertation stellt die Grundlage für das von Ihm, als Buchautor bei Rüffer & Rub, veröffentliche Buch „ Kunst ist käuflich – Freie Sicht auf den Kunstmarkt “. Die über Jahre erarbeitete Betrachtung des Kunstmarktes aus verschiedensten Blickwinkeln ist fundiert, sehr anregend und meidet trendige Thesen. Er begann seine Karriere bei Christie’s 1998 in London. Seit 2005 ist er Geschäftsführer für die Deutschschweiz sowie European Director Christie’s International.

RÜCKBLICK:

WILHELM GENAZINO

am 19. Mai 2009 kam der in Frankfurt lebende Literat und Büchner-Preisträger 2004, Wilhelm Genazino zu einer Lesung nach Essen. Er las aus seinem neuen Buch: “Das Glück in glücksfernen Zeiten“ ( München 2009 )

Gemeinsam mit Timm Rautert luden wir herzlich dazu ein. Freunde, die an Literatur interessiert sind, konnten gerne mitgebracht werden.

Wilhelm Genazino gilt als der große stille Chronist der Bundesrepublik. Seine Bücher umschwebt eine Melancholie, dennoch sind sie hoch komisch. Herr Wilhelm Genazino galt lange Jahre als Geheimtipp, bis er in den letzten Jahren alle großen Auszeichnungen bekam, so im Jahre 2004 den Georg-Büchner-Preis, der einer der wichtigsten literarischen Auszeichnungen ist. Im Jahre 2007 wurde er mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet.

Er wurde 1943 in Mannheim geboren und studierte dort Germanistik, Philosophie und Soziologie. Danach arbeitete er als freier Journalist und Redakteur. Bis 1971 schrieb er für das Satire Magazin Pardon. Seine Bücher zeichnen sich aus durch eine genaue ungekünstelte Sprache und eine subtile Wahrnehmung. Die Protagonisten seiner heutigen Romane, so formuliert es der Autor selbst, „wissen, wie schwierig es ist, unabhängig zu sein, das heißt auch, unabhängig zu fühlen und zu denken, aber sie versuchen es trotzdem mit einigem Erfolg.“ Sie seien „Individualisten wider Willens".

RÜCKLBLICK

PAUL NIZON

Am 29 August 2008 kam der in Paris lebende Paul Nizon zu einer Lesung auf Gut Selikum.

Paul Nizon schreibt im Dezember 1990 in Paris in sein Journal: „ Ich habe, glaube ich, meine Bücher alle nach musikalischen Prinzipien verfasst, überhaupt habe ich beim Schreiben wohl immer musikalische Strukturen und Ausdrucksweisen im Ohr. Ich arbeite in aller Unschuld, das heißt ohne groß daran zu denken, mit Tonarten, Tempi, Tempiwechseln, mit Auftakten, Ober- und Untertönen, mit Stimmen, Haupt- und Nebenstimmen, Stimmen die sich verflechten, mit Begleitmusik und Orchestrierung, mit Phänomenen laut wie leise – piano bis fortissimo – und mit Pausen. Ich komponiere meine Texte nach dem Muster klassischer Kompositionen in drei oder vier Sätzen wie Sonaten oder Orchesterstücke. Doch gibt es auch Passagen, die dem klanglichen und rhythmischen Bildern des Jazz gehorchen, und ausserdem gibt es Anspielungen auf volkstümliche Weisen und warum nicht auf Gassenhauer. Ich arbeite nicht nur mit Musik, sondern auch mit Geräuschen, Geräuscheffekten; ich bilde mir ein, das kann bis zum Kreischen und bis zur Kakaphonie gehen. Ich schreibe eine rhythmisch skandierte tönende Prosa, das Rhythmische kann bis zur Atemlosigkeit akzellirieren, doch auch bis ins unhörbar leise werden und hörbar verstummen. Ich will damit betonen, dass ich meine Sprache beim Schreiben höre und oftmals voraushöre: Es kommt vor, dass ich ganze Passagen eines entstehenden Buches in seiner rhytmischen Kadenz und Klangmaske oder Klangfärbung im Gefühl und Gespür habe, noch ehe ich um den Inhalt und Sinn des kommenden Textes weiß. Das wäre in solchem Fall die Ankündigung eines literarischen Produkts als Klangkörper; der Klangkörper verrät mir Physiognomie und Charakter in seinem „blinden“ noch unsichtbaren, jedoch hörbaren Stadium. Die Sprache würde, so gesehen, bei mir aus einem musikalischen Kokon ausschlüpfen. Überhaupt kann ich mich von der musikalischen Strömung des Sprachflusses dahintragen lassen. Ich schreibe eine Ohrensprache, ich instrumentiere beim Schreiben, meine Sprache ist mein Instrument, ich lege die Finger auf die Tastatur meiner Schreibmaschine wie der Pianist die Finger auf die Tasten des Pianos legt, ich schließe die Augen und beginne zu spielen, das heißt, ich schlage einen Akkord an,

ich stelle mich auf einen Takt ein, ich beginne mich einzuspielen, und auf einmal schlüpft ein bestimmtes musikalisches Motiv oder Thema aus diesem Improvisieren aus und wird zur Melodie und nimmt mich mit. Stimmt das? So ist das, behaupte ich, wenn es natürlich nicht alles ist. Es ist jedoch ein wichtiger Aspekt meines Schreibens. Mir selber war das Musikalische meiner Prosa von Anfang an insofern bewusst, dass ich meine Bücher am liebsten als Tonkassetten distribuliert hätte, wenigstens dachte ich daran, dem gedruckten Buch eine Kassette beizulegen, ich stelle mir vor, meine Bücher würden sich am besten über die Hörwege ins Bewusstsein des Lesers Einlaß verschaffen, doch davon konnte in den sechziger Jahren natürlich noch keine Rede sein. Warum das musikalische Verfahren in meiner Arbeit eine so wichtige Rolle spielt? Ich denke, die musikalische Struktur meiner Prosa nicht einfach nur als Organisationsprinzip, sondern als konstituierendes Element und als Motor des Textes, hat bei mir mit dem schöpferischen Prozeß und mit einer ganz bestimmten künstlerischen Haltung zu tun. Ich gehe beim Schreiben nie von einer konstruierten Geschichte, nicht von handelnden Personen, die miteinander in Dialog treten, aus; nicht von Anekdoten und Handlungen, nicht von einer Bühnenillusion – ich gehe immer vom ICH aus. Ich könnte, überspitzt ausgedrückt, behaupten, in meinen Büchern sei die vordergründige Ebene der Realität, sie die Bühne die der Leser zuerst antrifft, diejenige einer One-Man-Show. Da sitzt einer beim Schreiben vor seiner Maschine und beginnt zu spielen. Das ist die Ausgangslage, das ist der Beginn. Der Beginn ist ohne Plan und ohne bestimmtes Wissen und Vorhaben. Ein Mensch, der anfängt zu sprechen oder zu murmeln und der sich im Grunde bekennen, dass heißt seiner Existenz und des Lebens vergewissern möchte. Er fängt irgendwo an und nimmt sich und den Leser auf die Reise mit. Die Reise führt durch die Gegenwart und Erinnerung und vielleicht auch ins Utopische, sie führt durch Unwetter und Ängste ebenso wie durch den Traum, sie staut sich an Reflexionen und ergießt sich in Emotionen, sie sucht nach dem Glück und durchquert die Einsamkeit, und dabei entsteht das Seismogramm einer heutigen Existenz und, wenn wir Glück haben, der Reichtum des Lebens, ja, und hoffentlich auch Schönheit und Glanz. Ich verwandle mich beim Schreiben in ein Instrument, ich schreibe, wenn es gut geht, instrumental, wenn nicht medial. Und dabei höre ich mir zu: Instrument und Instrumentalist in einer Person. Stimmt das? Und wenn ja, woher stammt diese Auffassung eines vagabundierenden und intonierenden Schreibens? Sie stammt aus dem Adoleszentenalter. Damals wurde ich für die Aussenwelt vorübergehend gewissermassen blind, weil ich von der eigenen Innerlichkeit völlig absorbiert war. Ich war ganz im Banne der inneren Seelenzustände, auf eine gefährliche Weise ein Gefangener meiner selbst; ich sass im Konzertsaal oder in der Oper meiner eigenen Aufführungen und lauschte dem Geschehen und hörte der Seelenmusik zu, auf geradezu krankhafte Weise

RÜCKBLICK

Wilhelm Genazino kam am 20. Juni 2008 Zu einer Lesung und zum Gespräch, auf Gut Selikum, in Neuss.

Wilhelm Genazino gilt als der große stille Chronist der Bundesrepublik. Seine Bücher umschwebt eine Melancholie, dennoch sind sie hoch komisch. Herr Wilhelm Genazino galt lange Jahre als Geheimtipp, bis er in den letzten Jahren alle großen Auszeichnungen bekam, so im Jahre 2004 den Georg-Büchner-Preis, der einer der wichtigsten literarischen Auszeichnungen ist. Im Jahre 2007 wurde er mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet.

Er ist 1943 in Mannheim geboren, studierte dort Germanistik, Philosophie und Soziologie. Danach arbeitete er als freier Journalist und Redakteur. Bis 1971 schrieb er für das Satire Magazin Pardon. Seine Bücher zeichnen sich aus durch eine genaue ungekünstelte Sprache und eine messerscharfe Wahrnehmung. Die Protagonisten seiner heutigen Romane, so formuliert es der Autor selbst, „wissen, wie schwierig es ist, unabhängig zu sein, das heißt auch, unabhängig zu fühlen und zu denken, aber sie versuchen es trotzdem mit einigem Erfolg.“ Sie seien „Individualisten wider Willen“.

RÜCKBLICK:

Einladung Fischli/Weiss und Christoph Rütimann auf Gut Selikum

Im Film „Der Lauf der Dinge“ von Fischli/Weiss, Meisterwerk und Geniestreich zugleich, spielen Autoreifen und abgewetzte Holzstühle die Hauptrolle. Der Film ist seit 1987 eines der populärsten Kunstvideos und sogar wahrscheinlich das einzige, das sowohl noch selber knetende Schulkinder als auch die Kritikerelite begeistert.

Als Überraschung zeigen wir Christoph Rütimanns „Hand-lauf um und nach Stans“. Wir danken Ulla und Thomas Katzorke, Essen, für die Leihgabe.

RÜCKBLICK:

DIETER WELLERSHOFF

Am 24. März 2006 luden wir zu einer Lesung von Schriftsteller Dieter Wellershoff.

Aus dem neuen Buch von Dieter Wellershoff „Das normale Leben“ werden zwei Erzählungen vorgelesen. Außerdem gibt es eine „Round Table Diskussion“ mit dem Autor, an der Prof. Dr. H. Bönnemann, Lothar Pues und Dr. W. Tolksdorf teilnehmen werden. Anschließend ist Herr Wellershoff bereit, seine Bücher zu signieren und wird zu Gesprächen zur Verfügung stehen. Frau Brauksiepe von der Buchhandlung Ploss wird einige Exemplare bereithalten